Windiger, nasser und kalter Härte-Test für die YCL-Ladies in Barcelona
Während die Mehrheit der YCL-Mitglieder wahrscheinlich die Skipisten genoss, wagten sich fünf tapfere Mitglieder des YCL J70 Ladies Teams (Sabine Brodbeck, Regina Herzog, Rita Krummenacher, Bianca Schmidt und Skipperin Stéphanie Rossé) auf die wilden Gewässer Barcelonas. Einmal ist nun einfach das erste Mal: Das erste Mal auf dem Meer, das erste Mal Wind, das erste Mal Wellen, das erste Mal eine J70 Klassenregatta – oder einfach das erste Mal richtig Regattasegeln!
Und richtiges Segeln war in der Tat angesagt. Bei strahlendem Sonnenschein zeigte sich Barcelona am Freitag von seiner schönsten Seite. Bei zu Beginn angenehmen 10 Knoten starteten die Ladies top motiviert in den ersten Lauf und rundeten die erste Boje gleich mal als 10.(!) – leider wurde der Lauf abgebrochen. Schlag auf Schlag ging es weiter mit einem weiteren super Start und guten ersten Kreuz. Der Vorwindkurs hielt dann die eine oder andere Herausforderung bereit. Besonders als dann der Wind auffrischte, mit Böen von 20 Knoten und aufwärts, wurde es zunehmend schwierig, die Hände, Arme und Köpfe langsam müde.

Nach zweieinhalb Läufen wurde es dann richtig aufregend, als das Boot ein wenig mehr als «schräg» war. Regina wurde direkt aus der Adventurezone Vorschiff in eine floating Liege (Reling) katapultiert und sah nass, aber ganz entspannt aus. Der Rest der Crew bekam eine Adrenalin-Dosis und sah sich vor der Herausforderung, Regina zu fischen und anschliessend den Gennaker wieder einzubringen. Natürlich wurde das im Vorfeld nicht so genau besprochen und musste dann ad-hoc organisiert werden – und nein, alles darf dann doch nicht gelöst werden. Gennaker geborgen, alle Frauen wieder in aufrechter Position an Deck, löste mit fünf Minuten Verspätung dann doch noch die aufblasbare Schwimmweste von Regina aus.

Abends gab es bei ausgezeichnetem Essen – nur schon deshalb ist Barcelona eine Reise wert – dann doch das eine oder andere zu diskutieren. Über die Rolle des Baumniederholers zum Beispiel, oder wo Frau sich am besten festhalten kann und wie der Gennaker am einfachsten wieder ins Boot kommt.
Am Samstag war dann fertig lustig – es sollte von morgen früh bis abends spät regnen, die Prognosen zeigten weiterhin viel Wind an, sogar noch etwas mehr als am Freitag. Die Arme taten immer noch weh, der Schock steckte noch etwas in den Knochen. Zwei Ladies machten sich mit dem Ziel «aktive Erholung» direkt auf den Weg zur Sagrada Familia, der Rest mit Ersatzmann an Bord und zu allem bereit, nahm Kurs auf den Start. Auch da reihte sich leider ein Problemchen an das andere, mal war die Schot nicht ganz richtig, mal der Gennaker im Wasser. Und das ganze bei einer Lufttemperatur gegen null Grad – es schneite zu diesem Zeitpunkt sogar in der Stadt! In der Mitte des zweiten Laufes war dann Schluss und die Crew rettete sich unter die warme Dusche – einige waren fast nicht mehr rauszubekommen. Glücklicherweise waren wir vor dem Rest der Flotte drinnen und hatten immerhin noch warmes Wasser.
Am Sonntag dann wieder das Programm vom Freitag: Sonne, Wind und fünf top motivierte, für alle Härten des Regattaseglerinnen-Tages gerüstete YCL Ladies an Bord. Regina zeigte erneut vollen Einsatz und testete die nächste Schwimmweste… letztere ist eindeutig zu bevorzugen, orange steht ihr besser als gelb!
Das war dann das Ende eines intensiven Wochenendes. Der Gennaker hatte uns in Griff. Trotz der stürmischen Herausforderungen, nassen Überraschungen und eisigen Temperaturen hat das Team Grossartiges geleistet. Die wertvolle Feuerprobe, die den Zusammenhalt, den Kampfgeist und den Lernwillen jedes einzelnen Crewmitglieds gestärkt hat. Die YCL-Ladies kehren nicht nur mit unvergesslichen Geschichten, sondern auch mit einem riesigen Paket an Erfahrung zurück, das die Basis für noch bessere Leistungen in der Zukunft bildet. Die Freude am Segeln und der Teamspirit blieben ungebrochen, selbst wenn mal das Boot schräg lag oder der Gennaker baden ging. Barcelona hat gezeigt: Diese Crew ist hart im Nehmen und wird aus jedem Abenteuer stärker hervorgehen. Das «piece de residence» ist ganz klar die Gennaker-Kontrolle bei viel Wind. Aber auch das werden die YCL-Ladies noch in den Griff bekommen und alle sind einig über das Gesamtfazit: Lust auf Meer!







